SchülerInnen und Lehrerinnen wagen den digitalen Verzicht – ein Projekt mit Vorbildwirkung
Vom 4. bis zum 24. März findet an der Mittelschule Herzogenburg neben vielen anderen Schulen in Österreich, ein außergewöhnliches Experiment statt: 58 SchülerInnen der Klassen 3a, 3b, 3c und 4c sowie zwei Lehrerinnen verzichten freiwillig drei Wochen lang komplett auf ihr Smartphone. Initiiert wurde das Projekt von ORF Dok1, dem Bundesministerium für Bildung, dem Anton Proksch Institut, der Sigmund Freud Universität und IR&C. Ziel ist es, die eigene Handynutzung kritisch zu hinterfragen und neue Wege der Kommunikation und Freizeitgestaltung kennenzulernen.
Die TeilnehmerInnen greifen während des Experiments auf alte, nicht internetfähige Handys zurück, um weiterhin erreichbar zu sein – ganz ohne Social Media, Messenger und Apps. Zwei SchülerInnen und drei Lehrerinnen nehmen an einer sogenannten Light-Version teil: Sie verzichten gezielt auf Social Media-Dienste und reduzieren ihre tägliche Bildschirmzeit deutlich. Damit soll auch jenen eine Teilnahme ermöglicht werden, die aus beruflichen oder privaten Gründen nicht ganz auf ihr Smartphone verzichten können.
Im Vorfeld wurden gemeinsam Dokumentationen über die Auswirkungen von Smartphones und sozialen Medien auf Jugendliche angesehen und lebhaft diskutiert. Dabei standen Themen wie das Suchtpotential digitaler Medien, die eigenen Nutzungsgewohnheiten sowie die Gefahren von Social Media im Fokus. Die Eltern wurden umfassend informiert und einbezogen. Smartphones und Social Media sind aus dem Alltag der meisten Jugendlichen kaum mehr wegzudenken. Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen intensiver Social Media-Nutzung und der Entwicklung von Depressionen bei Jugendlichen. Besonders das Gefühl, etwas zu verpassen („Fear of Missing Out“), und die ständige Bewertung durch Likes und Kommentare setzen viele unter Druck. Darüber hinaus beeinflusst der permanente Medienkonsum die Gehirnentwicklung – Konzentrationsfähigkeit und soziale Kompetenzen können darunter leiden, das Dopamin-System im Gehirn wird aktiviert – ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln. Jugendliche sind besonders anfällig für diese Mechanismen, da ihr Belohnungssystem noch in der Entwicklung ist und sie sich leichter von schnellen Erfolgserlebnissen und Anerkennung beeinflussen lassen.
Das Experiment „3 Wochen ohne Smartphone“ geht weit über einen bloßen Verzicht hinaus. Es steht für den Mut, neue Wege zu gehen, und für die Chance, Gewohnheiten zu hinterfragen, sowie zu einem bewussteren, gesünderen Umgang mit digitalen Medien beitragen.